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Mein Rückblick auf die re:publica #rp13

re:publica #rp13Schon lange wollte ich an der grössten deutschen Internetkonferenz “re:publica” teilnehmen. Gross war entsprechend meine Vorfreude, dies während meines Berlin-Urlaubes nun endlich tun zu können.

Und ich wurde nicht enttäuscht: ein breit gefächertes Programm wartete auf die Teilnehmenden.

Der Bogen ist mit dem Motto “IN/SIDE/OUT – Raus aus dem Netz, rein in die Welt – Mittler zwischen Online und Offline” bewusst weit gespannt. So warteten Sessions mit Themen wie Arbeit, Bildung, Medien, Netzpolitik, Hacking, Innovation in Afrika, Gleichstellung, Mobilität und und und… darauf, entdeckt zu werden.

In den 3 Tagen besuchte ich weit über 20 Referate und wusste am Abend bisweilen nicht mehr ganz, wo mir der Kopf steht. Aber egal, mein Wissensdurst ist schier unendlich ;-)

Meine persönlichen Highlights waren folgende Auftritte:

Mit “Innovating Africa” zeigte Erik Hershman, wie sich junge Menschen und Unternehmer in afrikanischen Staaten vernetzen, um pragmatische Lösungen zu finden.

Gunter Dueck propagierte den “metakulturellen Diskurs”, damit polarisierenden Diskussionen reduziert werden. Nur so können auch Themen wie Netzneutralität zielführender angegangen werden.

Mit Hilfe eines Quizes brachte uns die Referentinnen von Small Media den aktuellen Stand der Internetzensur im Iran näher: “403 Forbidden: A Hands on Experience of the Iranian Internet”

Sascha Lobo rief die hobby-lobbistische Netzgemeinde zum “Machen” auf und stellte die Frage “Was würde Merkel überzeugen?”. Er plädierte für ein freies, offenes und sicheres Internet. Ketzerische Bemerkung am Rande: die Teilnehmenden waren jedoch schon leicht damit zufriedenzustellen, ein schnelles und zuverlässiges WLAN am Veranstaltungsort aufzufinden…

Mit dem provokativen Titel “Das Ende der Arbeit – Wenn Maschinen uns ersetzen” zeigte Johannes Kleske Szenarien für die Zukunft auf. Wird es für die durch das Internet zerstörten Arbeitsplätze genügend neue geben?

Der New Yorker Andrew Rasiej appellierte in einer flammenden Rede “You Can Turn Off the Public Internet But You Can’t Turn Off the Internet Public” unter anderem daran, endlich mal die Nutzungsbedingungen der Web-Konzerne ernst zu nehmen und nicht bloss achtlos wegzuklicken.

Kann ein Farbenblinder Farben hören? Wie kann man jedes Erdbeben am Körper spüren, egal wo es stattfindet? Genau das praktiziert das Künstlerduo Neil Harbisson und Moon Ribas. Sie leben seit Jahren mit entsprechenden Hilfsmitteln am Körper und setzen sich auch für die Rechte von Cyborgs ein. “Life with extra Senses – How to become a Cyborg” war ein packender Vortrag.

In den Bann zog mich auch die lebhafte Keren Elazari. Sie forderte uns auf, mit ihr einen “… Ride on the Cyberpunk Express” zu machen und führte uns durch die Geschichte des Hackings. Einst Science Fiction und Hollywood Dramatik, ist Hacking nun zu einem milliardenschweren Business geworden.

Was um Himmels Willen bedeutet “Speculative Design”? Anschaulich machte uns dies Lisa Ma mit dem Beispiel “Farmification”: Um die Arbeitsbedingungen der Angestellten in einer chinesischen Techfabrik zu verbessern, wurde diese mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten örtlich zusammengeführt. Auf diese Weise bewahren die ehemaligen Landarbeiter den Bezug zu ihrer Herkunft.

Ein kleiner Kulturschock war auch das Improvisations-Theater mit dem Hashtag “#rp13theater” von Jeannette Gusko und Bianca Praetorius und Truppe. Das Publikum fütterte während der Aufführung eine Twitterwall und die Schauspieler versuchten, die Tweets und Rückmeldungen realtime in ihre Performance einzubauen.

Als eine der letzten Referentinnen kam Anna Wizorek zu Wort. Sie zog Bilanz über die #aufschrei-Debatte. Mich persönlich beeindruckte dabei vor allem die ruhige Art und Weise, wie sie das tut. Vielleicht ist es auch gerade das, welches provoziert, wenn sie die Menschen mit männlichem Sexismus konfrontiert?

Soviel also zu den Höhepunkten aus meiner Sicht. Vor der Abschlussrede der Organisatoren der re:publica gelangte per Videointerview auch noch der chinesische Künstler und Aktivist Ai Weiwei ans Publikum. Leider darf er China nicht verlassen, seine persönliche Anwesenheit wäre sicher eine grosse Bereicherung gewesen.

Was sonst noch? Ich konzentrierte mich an der re:publica tagsüber in erster Linie auf das Konsumieren der Sessions, so dass das Networking etwas zu kurz kam. Dennoch ergab sich am Abend die eine oder andere Gelegenheit, sich mit anwesenden “Schweizern” zu treffen oder spontan mit wildfremden Leuten ins Gespräch zu kommen.

Ob ich nächstes Jahr wieder an die re:publica gehe? Wer weiss. Aber zuerst werde ich nun die restlichen Tage meines Urlaubes in der deutschen Hauptstadt nutzen, um Berlin noch von einer andern Seite kennenzulernen.

Anhang:

Für meine fotografische Impressionen guckst Du das Flickr-Set “re:publica #rp13” >>

Wer sich ein umfassenderes Bild der re:publica wünscht, dem empfehle ich die eBooks, welche täglich produziert wurden >>

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